29.12.2011
Früher gab es klare Vorstellungen davon, was Vampire sind: Scheintote, die nachts ihre Särge bzw. Gräber verlassen und sich aufmachen zur Jagd nach Menschenblut. Doch Graf Dracula war gestern. Die Vampire der Neuzeit sind längst von der verderblichen und arzneibelasteten Ware Blut auf Geld umgestiegen. Mit verführerischen Versprechen locken sie arglose Sparer in ihre Höhlen (Banken), um ihnen das Geld auszusaugen.
Weil das jahrelang sehr erfolgreich gelang und die ausgesaugten Sparer keine Lobby haben, wollte die ihrerseits ständig Geld verbrennende Politik nicht länger nur neidvoll zusehen. Wegen der Befriedigung vieler ausländischer Handaufhalter, zur Stützung maroder Haushalte und einer kränkelnden Kunstwährung muß das Aussaugen in großem Stil erfolgen. Die um Ihr Geld erleichterten Opfer dürfen zudem nicht aufmucken. Denn lautes Wehgeschrei und Gezeter würde die Dunkelmänner und – Frauen bei ihrem Tun stören und potenzielle Opfer zu früh hellhörig werden lassen. Also kommen balsamierte Wortkombinationen zu Einsatz wie „Rettung“ und „Schirm“ bzw. „Rettungsschirm“ – auf daß das zur Schlachtbank geführte Volk ahnungslos bleibt. Die Geldschächterin kommt indes in Gestalt einer allgemeine Sprechblasen absondernden Pastorentochter daher, der man nicht viel, also auch nicht viel Böses, zutraut. Dennoch gilt auch hier die alte Volksweisheit: „Nur die allerdümmsten Kälber wählen ihren Metzger selber!“
Thomas Salomon
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